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Sexual Arousal - Spiegel Online - 02 Oktober 2006
Sexualität - Kleiner Unterschied der Erregung
SPIEGEL ONLINE
02. Oktober 2006, 16:14

Brauchen Frauen wirklich länger, um heiß zu werden? Ein kanadischer Psychologe hat diese Frage wörtlich genommen, und die sexuelle Erregbarkeit von Männern und Frauen untersucht - mit Militärtechnik, Pornos und Mr. Bean.

Thermografie kennen die meisten Menschen aus den Bildern militärischer Nachtsichtgeräte: Je wärmer ein Ziel - etwa ein Soldat oder ein Panzer - ist, desto heller erscheint es auf dem Bildschirm. Wärmebildgeräte können kleinste Temperaturschwankungen messen. Kanadische Forscher haben sie jetzt für wesentlich friedlichere Zwecke eingesetzt, wenngleich für ein delikates Thema.

Frau vor erotischer Darstellung: Männer und Frauen geraten gleich schnell in sexuelle Erregung - wenn der Stimulus stimmt AFP Frau vor erotischer Darstellung: Männer und Frauen geraten gleich schnell in sexuelle Erregung - wenn der Stimulus stimmt

Geraten Männer schneller in sexuelle Erregung als Frauen? Diese Frage, Gegenstand hitziger Kneipengespräche und zahlloser Filmkomödien zugleich, mag zwar auch Laien auf den ersten Blick interessant erscheinen. Ihre Übersetzung in einen Versuchsaufbau hingegen stellt Wissenschaftler vor einige Schwierigkeiten: Schließlich geht es um eine recht private Sache.

Durch allerlei Forscher, Gerätschaften und sterile Umgebung kann man Messdaten leicht verfälschen. Das war jedenfalls die Kritik, die bisherigen Studien zu diesem Thema entgegengebracht wurde - und damit auch ihren Ergebnissen.

Dass Männer viel schneller erregt werden als Frauen, ist zwar ein weit verbreitetes Vorurteil. Ob es aber auch stimmt, konnte die Wissenschaft bislang nicht wirklich sagen. Bis der kanadische Psychologe und Sexualtherapeut Irv Binik sich bei der Militärtechnologie bediente - sowohl um einen Reiz zu erzeugen, als auch um die Reaktion darauf zu messen.

Pornos, Horror, Mr. Bean und Reisevideos

Binik setzte seinen männlichen und weiblichen Probanden eine Videobrille auf, durch die sie Ausschnitte aus unterschiedlichen Filmen sahen, darunter auch pornografische Darstellungen. Die Videobrillen garantierten, dass die Versuchspersonen von der Umgebung nicht abgelenkt würden, teilte Biniks Hochschule, die McGill University in Montreal, mit. Aus einem Nachbarraum richtete der Forscher eine hochempfindliche Wärmebildkamera auf den Lendenbereich der Versuchspersonen und verfolgte, wie sich die Temperatur während des Experiments veränderte.

Das Video habe eine Montage unterschiedlichen Materials enthalten, "von Pornografie über Horror-Filme, bis zum Best of Mr. Bean und Reisevideos der kanadischen Tourismusförderung", teilte die Universität mit. Die expliziten Passagen haben die Forscher geschlechtsspezifisch ausgewählt: Aus Archivmaterial des Kinsey-Instituts des berühmten Sex-Forschers Alfred C. Kinsey habe man solche Filmszenen ausgewählt, von denen bereits bekannt gewesen sei, dass sie auf Männer beziehungsweise Frauen erregend wirken - ganz generell.

Doch die Forscher aus Montreal wollten wissen: Sind die Herren schneller aus dem Häuschen als die Damen? Bei beiden Gruppen, so beobachtete Biniks Team per Thermografie aus dem Nebenraum, ging die Temperatur während der ersten 30 Sekunden nach oben.

Je heißer, desto erregter

Eine Temperaturerhöhung im Genitalbereich infolge verstärkter Durchblutung werteten die Wissenschaftler als Zeichen für sexuelle Erregung. Dementsprechend wurde die maximale Temperaturerhöhung auch als Gipfel der Erregung gewertet. Männer brauchten im Schnitt 665 Sekunden, um ihn zu erreichen. Bei Frauen war es nach 743 Sekunden so weit - "statistisch ein vernachlässigbarer Unterschied." Dieser Bewertung kann man folgen oder auch skeptisch gegenüberstehen: Immerhin handelt es sich um einen Unterschied in der Größenordnung von zehn Prozent. Die Forscher argumentieren jedoch mit der quasi zeitgleich einsetzenden und ähnlich verlaufenden Hitzekurve in den Lenden der Versuchspersonen beiderlei Geschlechts.

Diese Ergebnisse präsentierten die Forscher am vergangenen Wochenende vor Kollegen bei der Fachkonferenz in Ottawa. Außerdem sollen sie in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of Sexual Medicine" veröffentlicht werden.

"Das kann uns helfen, sexuelle Dysfunktion bei Frauen zu diagnostizieren und zu behandeln. Diese ist bislang nur wenig erforscht", sagte Tuuli Kukkonen aus dem Forschungsteam. Binik selbst betonte: "Wir haben gesehen, dass es keinen Zeitunterschied bei gesunden, jungen Männern und Frauen gibt, wenn es darum geht, den Gipfel sexueller Erregung zu erreichen" - wenigstens bei passendem Stimulus.

stx/ddp
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Creation date : 10/04/2006 @ 07:15
Last update : 10/04/2006 @ 09:10
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